„Mit einem Massenmörder mache ich mich lächerlich"
Wie schreibt man einen Krimi? Günter von Lonski berichtet
Von Julia Marre

Hameln. Martin Walser ist schuld. Daran, dass Günter von Lonski Krimis schreibt. Weshalb? „Weil mich eine seiner Bemerkungen fasziniert hat“, erklärt von Lonski. Regionale Krimis seien im besten Sinne die moderne Heimatliteratur unserer Tage, soll Walser gesagt haben. Und der Hemminger überdachte seine bisherige Einstellung, nachdem er im Februar den Rolf-Wilhelms-Literaturpreis des DRK gewonnen hatte. Immerhin hatte er sich lange geweigert, Kriminalromane zu schreiben. „Weil ich das Muster der Krimis nicht mag“, sagt von Lonski.
Inzwischen steht der Schriftsteller, der seine Laufbahn 1983 mit Kindergeschichten begann und zuvor als Werbetexter arbeitete, mit dem Genre nicht mehr auf Kriegsfuß: Sein in der Reihe „WeserberglandKRIMI“ im CW Niemeyer Buchverlag erschienener Roman „Das letzte Lied“ steht seit kurzem in den Schaufenstern der Buchhandlungen. „Ich bin leider kein Hamelner, aber ich erwäge, bald einer zu sein“, sagt der Schriftsteller. Zur Recherche reiste er so manches Wochenende in die Rattenfängerstadt. Wie oft er Hameln für den Roman unter die Lupe nahm? „Oh je“, sagt von Lonski, tippt auf etwa 16 Wochenenden und noch mehr Spaziergänge.
Mittlerweile flaniert er durch eine andere Stadt: In Bad Pyrmont wird sein nächster Krimi spielen. „Dann geht es darum, dass eine bekannte Persönlichkeit leblos in der Dunsthöhle aufgefunden wird – mit einem Windrad in der Hand.“ Dass es nicht immer einfach ist, ein politisches Thema aus der Realität des Weserberglandes unterzubringen, hat von Lonski bei seinen Recherchen bereits erfahren. Für ihn gilt daher: „Wer Bescheid weiß, der erkennt, was gemeint ist. Wer es nicht weiß, für den ist es einfach Teil der Geschichte.“
Auch sonst sei für solch einen Lokalkrimi einiges zu bedenken: Wie dramatisch und blutrünstig etwa darf die Geschichte sein? „Wenn ich einen Massenmörder mit der Axt durch die Stadt laufen lasse, mache ich mich lächerlich“, spekuliert von Lonski. „Wenn ich zu sehr übertreibe, wird’s schon wieder lustig…“
Und wenn er nicht gerade an einem Weserbergland-Krimi schreibt? „Dann habe ich noch so viele Projekte, die ich unbedingt abarbeiten möchte“, sagt von Lonski. 67 Jahre alt ist er, verrät aber augenzwinkernd: „Ich würde gern über mich lesen, dass ich den Eindruck eines Mitte-50-Jährigen mache.“ Ideen von Erz suchenden Zwergen aus Venedig spuken in seinem Kopf herum. Und der Wunsch, „dass das Interesse an meinen Geschichten bleibt und steigt“. Seinen Protagonisten Hubert Wesemann, so von Lonski, solle der Leser „so richtig lieb haben“.

Hier gelangen Sie zu der Internetseite von Günter von Lonski:

www.vonlonski.net